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Kannibalismus

Als Kannibalismus wird das Verzehren von Artgenossen oder Teilen derselben bezeichnet. Insbesondere versteht man darunter den Verzehr von Menschenfleisch durch Menschen (Anthropophagie). Angewendet wird der Begriff in der Völkerkunde, der Zoologie und der Psychiatrie, die den Kannibalismus als Paraphilie bzw. Fetischismus einordnet. Auch in die Astronomie hat der Begriff Einzug gehalten, hier bezeichnet er das Verschlucken kleiner Galaxien durch größere Nachbarn. Ebenfalls übertragen wurde der Begriff auf die Fertigungssteuerung: Hier bezeichnet er (allerdings nicht normgerecht) den Ausbau von Teilen aus bereits montierten Baugruppen oder Produkten, um die so "kannibalisierten" Teile in andere Baugruppen einzubauen, die schneller fertig werden müssen. In der Wirtschaft gibt es den Begriff der Kannibalisierung.

Inhaltsverzeichnis

1 Etymologie


Etymologie

Das Wort "Kannibalismus" geht auf die Kariben, die Ureinwohner der Westindischen Inseln, zurück. Als Kolumbus auf seiner ersten Reise vor der Insel Hispaniola ankerte, notierte er in seinem Logbuch am 14. November 1492, dass die Einwohner dieser Insel in steter Furcht vor den "Caniba oder Canima" lebten, den angeblich einäugigen, hundsgesichtigen und menschenfressenden Einwohnern der Nachbarinsel Bohío. Kolumbus stellte in seinem Logbucheintrag vom 12. Dezember selbst etymologische Betrachtungen über dieses monströse Volk an und mutmaßte, dass es sich bei ihm wohl um die Untertanen des Gran Can handeln müsse, also des "Großen Khans", des Herrschers über das fernöstliche Reich, das zu erreichen er aufgebrochen war.

Was Kolumbus als Caniba oder Canima vernahm, war die Eigenbezeichnug dieses Indianervolks, die ursprünglich soviel wie "tapfer" bedeutete (vgl. Tupi caryba, "Held"); da in ihrer Sprache die Laute l, n und r als Allophone variieren, ist es durchaus möglich, dass Kolumbus das Gehörte recht lautgetreu wiedergab. Während sich die Bedeutung der Variante caribe bzw caribal im spanischen Sprachgebrauch zur Bezeichnung der Bewohner der Küsten der Karibik verengte, erlangte canibal die Bedeutung "Menschenfresser" und verbreitete sich so in viele europäische Sprachen; im Deutschen ist es 1508 erstmals bezeugt.

Da man in der vorwissenschaftlichen Ethnologie der Antike und des Mittelalters fest davon überzeugt war, dass am Rand der bekannten Welt anthropophagische und halbmenschliche Völker lebten, konnte die Literatur des 16. Jahrhunderts in den karibischen Canibales eine besonders aktuelle und real scheinende Verkörperung dieser alten Idee entdecken. Der Name wurde zum Begriff; als solcher verbreitete er sich sehr schnell und wurde zum Synonym für den zuvor üblichen griechischen Begriff Anthropophage. Im heutigen Deutschen wird die Bezeichnung Menschenfresser vor allem für Märchen- und Sagenfiguren oder -völker gebraucht, Kannibalismus dagegen für bezeugte oder zumindest für möglich gehaltene Vorkommnisse.

Kannibalismus im Tierreich

Beim Kannibalismus in der Zoologie wird unterschieden zwischen aktivem und passivem Kannibalismus. Ein aktiver Kannibale jagt und tötet Artgenossen, bevor er sie frisst, während ein passiver Kannibale nur bereits tote Artgenossen verspeist. Letztere sind häufig Aasfresser wie die Tüpfelhyänen der afrikanischen Steppe oder verschiedene Arten von Krabben im Meer.

Aktiver Kannibalismus ist sehr häufig unter Fischen zu beobachten. Es wird geschätzt, dass bis zu 90 Prozent aller jungen Hechte von größeren Artgenossen gefressen werden. Ähnliches gilt für den Flussbarsch sowie viele andere Raubfische.
Beim intrauterinen Kannibalismus, der bei einigen ovoviviparen Haien vorkommt, fressen die Embryonen noch im Mutterleib andere (meist) unbefruchtete Eier (Oophagie). Im Falle der Tigerhaie fressen die Jungtiere sogar andere Föten, so dass vom gesamten Wurf lediglich zwei Jungtiere geboren werden, da das Muttertier zwei getrennte Gebärmütter hat.
Gottesanbeterinnen und andere räuberische Insekten sowie Webspinnen verhalten sich nach landläufiger Meinung kannibalisch. Freilich lässt sich dies nicht pauschalisieren und ist u.U. sogar falsch. Im Tierreich, insbesondere bei den echten Webspinnen, wurden ausgefeilte Verhaltensweisen und Duftstoffe und Sinne entwickelt, die eine Unterscheidung zwischen Artgenossen und Beute ermöglicht. Zuweilen werden trotzdem unvorsichtige Artgenossen als Beute verzehrt. Schwierig wird das bei der Paarung. Die Männchen müssen versuchen, ihre Partnerin zu überraschen, zu umwerben oder durch Fesseln oder "Brautgeschenke" (Raubspinnen) ruhig zu stellen. Nicht immer klappen diese Methoden, und so werden die Spinnenmännchen manchmal noch vor oder während der Paarung zu einer willkommenen Beute des Weibchens. Das andere Extrem bilden soziale Spinnen. Baldachinspinnen leben als Paar noch nach der Paarung zusammen; andere Spinnenarten bilden sogar Kolonien mit Aufgabenteilung, gemeinsamer Brutpflege, Aufzucht und Beutefang (Semisozilität).
Bei Mäusen und Ratten kann Kannibalismus ebenfalls auftreten. Bei starker Zunahme der Populationsdichte werden häufig Jungtiere von mutmaßlich gestressten Erwachsenen getötet und gefressen (siehe hierzu auch Infantizid (Zoologie)). Dieses Phänomen tritt auch bei der intensiven Tierhaltung auf. Hier fressen Schweine gegenseitig einander die Schwänze oder Ohren ab, Hühner verletzen oder töten sich durch gegenseitiges Anpicken.
Männliche Alligatoren und Warane töten häufig Artgenossen, denen sie überlegen sind, und fressen diese. So stellen bei solchen Arten besonders die ausgewachsenen Männchen eine große Gefahr für Jungtiere dar, die sich entsprechend bis zum Erreichen einer bestimmten Körpergröße verstecken müssen.
Besondere Aufmerksamkeit wurde von Verhaltensbiologen dem Infantizid bei Löwen gewidmet, nachdem wiederholt im Freiland beobachtet worden war, dass ein neu in ein Rudel kommender Löwe die dort bereits vorhandenen Jungtiere tötet. Im Ergebnis kann sich der neue Rudelführer relativ rasch mit den Löwinnen seines neuen Rudels verpaaren und eigene Nachkommen zeugen. Auch bei der Hauskatze ist ein vergleichbares Verhalten häufig. Dieses als Infantizid bezeichnete Phänomen taucht auch bei verschiedenen Primaten auf, so bei Mantelpavianen und bei Hulmanen, eventuell auch bei Schimpansen.

Kannibalismus in Ethnologie und Menschheitsgeschichte
Kannibalen in Südamerika, dargestellt aus europäischer Sicht (1557)

Vor- und Frühgeschichte

Die frühsten bekannten Hinweise auf Kannibalismus sind 350.000 Jahre alt und wurden in der Höhle von Zhoukoudian in China entdeckt. Sie stammen von Frühmenschen der Unterart Homo erectus pekinensis. Bei diesen Funden weisen die Schädel ein erweitertes Hinterhauptloch auf, welches zur Entnahme des Gehirns angelegt worden sein könnte. Die Schenkelknochen sind aufgebrochen worden, möglicherweise um das Knochemark extrahieren zu können.

In Bilzingsleben in Thüringen wurde ein Pflaster-Halbrund gefunden, das als Ritualplatz diente. Dort wurden offenbar vor etwa 300.000 Jahren die Schädel von Frühmenschen zertrümmert, um an deren Gehirn zu gelangen. In dieselbe Zeit fällt die Tötung einer Frau in Steinheim an der Murr (Baden-Württemberg). Diesem so genannten "Steinheim-Menschen" ist der Schädel eingeschlagen und vom Hals abgetrennt worden. Kannibalismus ist ein Phänomen, das wohl weltweit verbreitet war. So wird auch für den Neandertaler vermutet, dass er rituellen Kannibalismus praktizierte. Darauf deuten Bearbeitungsspuren an menschlichen Knochen. Auch diese wurden wohl aufgebrochen, um an das Mark zu gelangen. Die meisten Eingriffe wurden in Kroatien und Frankreich entdeckt. In der Halbhöhle von Krapina nördlich von Zagreb (Kroatien) barg man von 1899 bis 1905 zerschlagene und teilweise angebrannte Knochenreste von mindestens 24 Menschen. In Hortus (Südfrankreich) wurden Reste von maximal 36 Menschen gefunden, deren Knochen allesamt zerbrochen waren und die inmitten von Mahlzeit- und Tierresten lagen.

Einblick in die Opferpraktiken der ersten Bauern erbrachten die Ausgrabungen bei Eilsleben (Kreis Wanzleben) in Sachsen-Anhalt. Der 7.000 Jahre alte Fundort der Linienbandkeramiker erbrachte Reste von geopferten Tieren und Menschen. Aus derselben Kultur stammen die Funde aus der Jungfernhöhle von Tiefenellern bei Bamberg in Bayern (mit Kannibalismusspuren), der Höhle Hanseles Hohl im Alb-Donau-Kreis (Baden-Württemberg), Ober-Hörgern im Wetteraukreis (Hessen) und Zauschwitz (Kreis Borna) in Sachsen. An diesen Orten haben Angehörige der Bandkeramischen Kultur ihre Opfer dargebracht. Die ersten Bauern kamen jedoch in etwa zeitgleich auch über Südfrankreich nach Europa. Die Höhle von Fontbrégoua ist einer der wenigen westeuropäischen Plätze an denen J. Courtin Kannibalismus der Cardial- oder Impressokultur, anhand der Schnittspuren auf dem Skelettmaterial und der Mark- bzw. Gehirnentnahme nachweisen kann. In den 2000 Jahre jüngeren Dolmen dieser Gegend finden sich dagegen (anders als im Nordkreis) keine Spuren mehr von einer Destruktion der Skelette. Menschenopfer aus der Urzeit wurden in der Höhle von Bad Frankenhausen, im Kyffhäusergebirge (Thüringen) entdeckt. Dort barg man die Skelettreste von mehr als 100 Menschen, die in der Bronzezeit geopfert worden sind.

Antike

Herodot (III,38) berichtete von einem (dunkelhäutigen) indischen Volksstamm der Kallatier, bei denen die Leichen der Eltern aufgegessen wurden. Auch bei den Azteken war der Kannibalismus neben den Menschenopfern wahrscheinlich ein häufiges Ritual. Des Weiteren war der Kannibalismus bei den Niam-Niam am Tschadsee und den Batak auf Sumatra verbreitet. Auch bei den nordamerikanischen Anasazi-Indianern scheint Kannibalismus vorgekommen zu sein; in einem Fall konnten sogar Spuren von menschlichem Fleisch in einem vertrockneten Kotballen nachgewiesen werden.

Mittelalter und Neuzeit

Im Jahre 1150 n. Chr. wurden nach Ansicht von R. Marlar in Colorado Menschen getötet und verzehrt. Das Fleisch der Bewohner ?dreier Erdhäuser" wurde in Töpfen gegart, deren Scherben man in einer Erdgrube fand. Mit über 1.000 Schnittspuren versehene Knochen von mindestens sieben Menschen beiderlei Geschlechts blieben auf dem Hüttenboden zurück. Bevor einer der Täter den Platz verließ, verrichtete er in der Feuerstelle seine Notdurft. Die Menschenfleischspuren konnte R. Marlar mit biochemischen Methoden an den Scherben und in den Exkrementen nachweisen. Es fand sich auch Myoglobin, ein Eiweißstoff, der für die Sauerstoffspeicherung in den Muskeln zuständig ist. Diesen Stoff entdeckte er im getrockneten Kot, den er in Größe und Form als mit menschlicher Provenienz übereinstimmend befand. ?Myoglobin kommt im Skelett und Herzmuskelgewebe, nicht aber im Verdauungstrakt vor. Wenn es in Exkrementen gefunden wird, kann es nur von Menschenfleisch stammen, das gegessen wurde."
Hinweise auf Kannibalismus sind jeweils kritisch zu beurteilen, da der Vorwurf bis in die Neuzeit als Vorwand für die Diskriminierung von Volksgruppen oder Kriege gegen sogenannte ?Wilde" benutzt wurde. Auch können Hinweise auf Kannibalismus durch die Archäologie meist nicht eindeutig bestätigt werden. Es wurden schon mehrmals Missinterpretationen aufgedeckt, indem beispielsweise nachgewiesen wurde, dass Kratzspuren, die zuerst als Anzeichen für Kannibalismus gedeutet wurden, von Tieren stammten. Das Fehlen von Organen kann auch von Begräbnisritualen herrühren, wenn z.B. wie im alten Ägypten während der Mumifizierung die inneren Organe entnommen wurden.

Rechtsfälle zum Kannibalismus in der modernen Gesellschaft

Einer der bekanntesten Kannibalen der deutschen Rechtsgeschichte ist der aus Hannover stammende Fritz Haarmann. Es ist allerdings nie geklärt worden, ob der Fleischer seine Opfer selbst aß oder "nur" als Dosenfleisch verkaufte. Beides ist jedoch nicht erwiesen. Der Fall wurde unter dem Titel "Der Totmacher" mit Götz George verfilmt.

Im Jahr 2003 erregte ein Fall von Kannibalismus in Deutschland Aufsehen. Der Berliner Bernd Jürgen Armando Brandes antwortete auf eine Internetanzeige und stellte sich als Opfer für ein kannibalisches Essen zur Verfügung, das der Rotenburger Armin Meiwes vornahm. Mit Einverständnis des Berliners hat Meiwes ihn vor laufender Kamera getötet und Teile seines Körpers gegessen. Im Mai 2006 wurde Meiwes zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Mordes und Störung der Totenruhe verurteilt.

Tradition, Ritual und Religion

Die Europäer begegneten dem Kannibalismus in den vergangenen Jahrhunderten, als sie die überseeische Welt erkundeten. Der rituelle Verzehr von Menschenfleisch, teilweise als Menschenopfer, wurde von verschiedenen Kulturen ausgeübt. Dabei waren es vor allem die Körper oder Teile besiegter Feinde, welche die Kannibalen und Kopfjäger verzehrten, um ihre Kräfte zu erlangen. Einige Völker aßen jedoch vornehmlich die Gehirne von Verwandten und Freunden. Alle diese Verhaltensweisen dienten nicht dem normalen Nahrungserwerb. Sie hatten eher psychologische Hintergründe, die Verzehrenden wollten Eigenschaften der Toten wie Stärke oder Intelligenz mit der Mahlzeit aufnehmen. Deshalb wurden auch Körperteile bevorzugt, bei denen der Sitz der Zauberkraft der Seele vermutet wurde, wie beispielsweise Gehirne und Herzen. Im Umgang mit verstorbenen Angehörigen dient die Aufnahme in den Körper der Lebenden dem Erhalt der Seele des Verstorbenen. Daher fassen manche das religiöse Ritual des christlichen Abendmahls als sublimen Kannibalismus auf, da hierbei Brot und Wein substantiell oder zumindest symbolisch in Leib und Blut Christi verwandelt und einverleibt werden.

Konkrete Beispiele:
Im Jahr 1876 wurde der englische Missionar Thomas Baker auf der Insel Nubutautau, die zu Fidschi gehört, auf Grund einer Tabuverletzung verspeist. Denn es gilt auf den Fidschi-Inseln als Beleidigung, wenn man die Haare eines anderen berührt. Die Bewohner der Insel entschuldigten sich bei den Nachfahren Bakers im Jahr 2003 in feierlicher Form.
Im Opferkult der Azteken sollen in religiösen Schlachtfesten von 1325 bis 1519 (Beginn der spanischen Eroberung) jeweils bis zu 14.000 Opfer verspeist worden sein. Dazu zählten oft tausende von Kriegsgefangenen aus gegnerischen Stämmen. Das Herz ging dabei für die Verwendung in Feuer-Ritualen an die Priester, die Schädel wurden für Massenkruzifixe zur Abschreckung reserviert. Der Rest des Körpers ging an die Familie des Kriegers, der das Opfer gefangen hatte, wurde gegart, leicht gesalzen und ungepfeffert zu gekochtem Mais gegessen. Bernal Díaz del Castillo fand allein in der Stadt Xocotlan über 100.000 als Reliquien aufbewahrte Schädel.
In Papua-Neuguinea wird das Fleisch der Verstorbenen von Angehörigen des Stammes der Fore gegessen
Die im Amazonas ansässigen Yanomami rühren die Asche ihrer Verstorbenen während einer Zeremonie in einen Bananenbrei, welcher dann verzehrt wird.

Kannibalismus und Krankheitsübertragung

Eine besondere Brisanz erhält der Kannibalismus seit der Entdeckung der Prionen. Diese für die Rinderkrankheit BSE und die Scrapie der Schafe verantwortlichen "Erreger" werden durch den Verzehr befallener Organe übertragen. Dies ist auch der Fall bei der Krankheit Kuru, die bei dem Stamm der Fore in Papua-Neuguinea auftaucht und auf einen rituellen Kannibalismus zurückgeführt wird.

Kannibalismus zum Nahrungserwerb

Primär ist festzustellen, dass profane Anthropophagie bis heute nicht einwandfrei bewiesen werden konnte. Oft waren kultische Momente oder ausweglose Notsituationen (Flugzeugabsturz in den Anden) der Auslöser. Fälle von Kannibalismus zum Nahrungserwerb sind aus Notlagen wie der sogenannten Donner Party bekannt.
Das Floß der Medusa (Théodore Géricault, 1819)
Besonders bei Schiffbruch wurde Kannibalismus praktiziert, um das eigene Leben zu erhalten, wenn auch nur wenige Fälle dokumentiert sind, da es meist keine Überlebenden gab. In solchen Fällen wurde allerdings von einem Prozess wegen Totschlags gegen die geborgenen Kannibalen abgesehen. Das Bild Das Floß der Medusa (1819) von Théodore Géricault behandelt dieses Thema.

Bekannte Fälle, bei denen der Verzehr von Leichen in Notsituationen vorkam, sind die Belagerung von Sankt Petersburg (damals Leningrad) 1941 - 1944 und der Flugzeugabsturz in den chilenischen Anden 1972, der sogar verfilmt wurde.

Im Oktober 1999 entdeckten Forscher im französischen Rhône-Tal die Reste eines Festmahls von Neandertalern. Neben den Knochen von Wild und anderen Tieren wurden auch Knochen von Menschen entdeckt, welche, den Spuren auf den Knochen nach zu urteilen, auf brutale Art und Weise ums Leben gekommen sein mussten. Danach wurde ihr Fleisch - wie jenes der Wildtiere - von den Knochen entfernt und wahrscheinlich gegessen. Viele Paläontologen sind seitdem der Ansicht, dass es zur Zeit der Neandertaler Gruppen gab, welche systematisch Artgenossen töteten und aßen.

Auch wenn die Neandertaler nicht direkt mit dem modernen Homo sapiens verwandt sind, gibt es doch auch Hinweise, dass bereits Frühmenschen vor rund 800.000 Jahren zum Kannibalismus geneigt haben könnten, wie beispielsweise Knochenfunde mit Schnittkerben aus dem Jahr 1997 in der Nähe von Burgos in Nordspanien belegen. Untersuchungen an Knochenfunden der Anasazi-Indianer mit dem Raster-Elektronenmikroskop an der Arizona State University brachten kürzlich ebenfalls Hinweise zutage, dass Kannibalismus unter Menschen historisch gesehen möglicherweise öfter vorkam als zunächst angenommen.

Kannibalismus und Sexualität

Die Verbindung zwischen Kannibalismus und Sexualität taucht bereits in den Mythen und Fabeln vieler Völker auf.
In der griechischen Mythologie kommen Kannibalismus, Sexualität und Inzest zusammen, als Tereus Philomele, die Schwester seiner Frau Prokne vergewaltigte, wofür seine Frau ihren gemeinsamen Sohn kochte und ihn dem unwissenden Tereus zum Essen vorsetzte. Eine Geschichte, die später auch von Geoffrey Chaucer in The Legend of Good Women (um 1387) wiedererzählt wird.

Die Schöpfungsgeschichte der Yanomami handelt davon, wie sich die "ersten Wesen" in einem Wechselspiel aus Mord, Vergewaltigung und Kannibalismus gegenseitig ausrotten, so dass aus einem Überlebenden Geist die ersten Yanomami werden. Unter anderem töten zwei junge Männer einen älteren Mann, der ein Kind aufaß, woraufhin sie eine andere Frau vergewaltigen und ihre Vagina in einen Mund mit Zähnen verwandeln, damit dieser den nächsten Penis esse. Im weiteren Verlauf der Geschichte verwandelt sich die Frau in eine große Schlange, die noch heute darauf lauert, Yanomami-Männer zu essen. Die zahlreichen Bemerkungen von "Hunger aufeinander" in der Gründungsgeschichte sind doppeldeutig, da kopulieren und essen in der Sprache der Yanonamami durch dasselbe Verb gekennzeichnet werden. [1]

Das Wendigo-Fabelwesen der Algonkin heiratet in einer Geschichte im Sommer die Tochter einer Familie, der er mit Nahrungsmitteln über ihre Hungersnot geholfen hat, um sie im Winter zu verspeisen. [2].

Bei den Azteken gehörte ritueller Kannibalismus zu den Fruchtbarkeitsriten. Auf besonderes Interesse der europäischen Kolonisatoren stießen dabei junge männliche Priester, die mit der abgezogenen Haut einer Frau bekleidet waren.

Die Faszination des Themas zeigt sich aber auch in Beschreibungen von Europäern, die immer wieder auf das Thema zurückkommen - meist, ohne dass es tatsächlich Kannibalismus gab. Amerigo Vespucci schildert, wie bei seiner Ankunft die Frauen eines Eingeborenendorfes einen besonders schönen und jungen Mann erschlagen und essen, in einem späteren Brief beschrieb er den üblichen Brauch, dass Frauen die Penisse ihrer Geschlechtspartner abbeißen. [4] Der Anthropologe Lew Priday schildert in den 1850ern in dem Aufsatz Cannibal Island im Pacific Island Monthly, wie gleich die ganze Kultur der Kanaken Neukaledoniens um Kannibalismus kreist, nicht ohne zu erwähnen, dass besondere Spezialitäten wie die Brüste junger Frauen nur den Häuptlingen zuständen.[5] Andere, wie William Blake schreiben das Thema nicht den Eingeborenen zu, sondern externalisieren es in vermenschlichten Affen. In seinem Werk The Marriage of Heaven and Hell beschreibt er ebenfalls detailliert, wie stärkere Affen schwächere fangen und Geschlechtsverkehr mit ihnen haben, um sie danach körperlich auseinander zu nehmen. [6]

Die Theorie der an Freud angelehnten Psychoanalyse interpretiert das Nuckeln des Säuglings an der Mutterbrust als sowohl sexuelle wie kannibalistische Identifikation des Kindes mit der Mutter. [7]

Eine komplexe Aufarbeitung des Topos versucht die US-amerikanische Trägerin des Pulitzer-Preises Willa Cather in ihrem Roman Sapphira and the Slave Girl (1940), der in der Zeit der Sklaverei in den US-Südstaaten spielt. Die weiße Sklavenhalterin versucht die Sexualität der jungen Sklavin Nancy zu kontrollieren, wozu sie unter anderem auch eine Vergewaltigung Nancys arrangiert, während die Sklavin Jezebel ihre kannibalischen Instinkte wiederentdeckt, wenn sie an Nancy denkt. Offensichtlich arbeiten Sapphira und Jezebel zusammen und handeln in geistig-emotionaler Übereinstimmung. Im Buch selber gibt es mehrere Andeutungen, dass Sapphira immer mehr an Gewicht zulegt, während gleichzeitig die Sklavinnen mysteriös verschwinden.[8] Die kroatische Autorin Slavenka Drakulic nähert sich dem Zusammenhang zwischen Sexualität, Liebe und Kannibalismus wesentlich direkter und detailreicher in ihrem Buch Das Liebesopfer, als eine heftige körperliche Beziehung darin endet, dass die Polin Tereza ihren Partner Jose mit Fleischermesser und Knochensäge seziert und verspeist.[9]

Die Begriffe Gynophagie (griech. gynä = Frau, phágein = essen), besser bekannt unter dem englischen Wort Gynophagia, und analog dazu Androphagie bezeichnen Paraphilien, bei denen kannibalistische Handlungen Gegenstand sexueller Fantasien oder Taten sind. Bei einer Androphagie sind Männer Gegenstand der entsprechenden Fantasien oder Bestrebungen und Taten. Beide Begriffe sind geschlechtsspezifische Unterformen der Anthropophagie.

Autokannibalismus

Als Autokannibalismus bezeichnet man den Verzehr von Teilen des eigenen Körpers. Neben der Autoaggression kann ein Grund dafür zum Beispiel eine abnorme Spielart (und abnorme Intensität) des Sexualtriebs sein (spezieller Fetisch). Allerdings gilt auch Fingernägel kauen als autokannibal. Autokannibalismus kann aber auch ein Zeichen von gewollter Selbstzerstörung aus Selbsthass bzw. anderen psychologisch motivierten Gründen sein. (Siehe hierzu Borderline'sche Störung)

Autokannibalismus spielt auch in Mythen eine Rolle. Das bekannteste Beispiel dafür ist die Schlange Ouroboros, die sich in ihren Schwanz beißt.

Kannibalismus in Mythen und Literatur

In alten Mythen ist von Menschenopfern und kannibalistischen Themen die Rede:

Der alte Göttervater Kronos, ein Sohn des Uranos, den er tötet, verspeist seine Kinder, weil er um seine Herrschaft fürchtet. Zeus überlebt, weil seine Mutter Rhea dem Kronos statt seiner einen in eine Windel gewickelten Stein gibt.
Die jungfräuliche Göttin Athene entspringt nicht von ungefähr dem Kopfe ihres Vaters Zeus: Er hat sie mitsamt ihrer schwangeren Mutter vorher aufgefressen, weil er sich vor Heras Eifersucht in Acht nehmen musste. Athene jedoch überlebt und wandert im Körper ihres Vaters bis in seinen Kopf.
Aus Grimms Märchen ist die menschenfressende Hexe bekannt, welche Hänsel und Gretel erst backen und dann verspeisen will. Ähnliche Motive erscheinen in einigen Bildergeschichten Wilhelm Buschs.
Etwas verdeckter kommt dieses Motiv der Kindsopferung bzw. -verspeisung im Märchen Rumpelstilzchen daher. All diese Überlieferungen gehen auf reale vorzeitliche Vorgänge zurück, vermutlich Opferrituale, welche anfänglich eine kannibalistische Form hatten und am Ende zu Brandopfern werden. Siehe dazu auch Hexenverbrennung.
Die Schottische Legende von Alexander ?Sawney" Bean, der Anfang des 15. Jahrhunderts gelebt und mit seiner Familie mehr als 1000 Menschen verspeist haben soll.

Tiefenpsychologen sehen in Geschichten, die von Menschenfresserei handeln, Probleme, Ängste und Traumen der beginnenden Geschlechtsreife und Mutter/Kind-Ablösung, Sexualität und Trieb, aber auch die Angst vor dem eigenen Alter und Tod literarisch verarbeitet und umgesetzt. Ein klassisches Beispiel dazu ist auch das Thema Vampire.



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